Aktives Alter(n)

Man möchte meinen, dass „alt“ immer nur die anderen sind. Man selbst kann seinem Alter zwar wunderbarerweise Jahr um Jahr eine weitere Zahl hinzufügen. Und die ein oder andere körperliche Einschränkung fordert einen vielleicht unliebsam heraus. Doch vieles fühlt sich noch ganz so an wie Jahrzehnte zuvor. Innerlich ist vieles „beim Alten“ geblieben. Alter scheint mehr als ein Faktum zu sein, nämlich eine Gefühlssache.

Das ist wohl eines der Geheimnisse ums Altern. Wer da noch nicht mitreden kann, interpretiert das Alter aufgrund von äußerlichen Veränderungen, körperlichen Beeinträchtigungen und anderen Unterschieden leicht als Manko. Aber, es birgt viele Überraschungen und Möglichkeiten. Diese Unterschiede in negativer Weise zu formulieren und ältere Menschen deshalb abzulehnen, hilft keinem. Es stellt sich auch die Frage, ab wann „das Alter“ eigentlich erreicht ist. Es erscheint am einfachsten, für eine neutrale Bezeichnung des Alters im Lebensabschnitt in der Jahrhunderthälfte, also ab 50 Jahre anzusetzen, auch wenn man damit heutzutage im Grunde genommen noch gar nicht alt ist – im Gegensatz zu früher, wo viele Menschen gar nicht einmal dieses Alter erlangen konnten.

Trotz der vielen Erlebnisse und Erfahrungen, die sich im Laufe eines langen Lebens angesammelt haben, sind einige Wünsche und Hoffnungen vielleicht auf der Strecke geblieben. Und man sagt sich im fortgeschrittenen Alter, wenn sich plötzlich die Zeit plötzlich lang hinzieht: Dafür ist es nun zu spät. Man hätte früher vielleicht gerne studiert, doch nach dem Krieg musste man sich um die Existenzsicherung kümmern und hatte deshalb keine Zeit und kein Geld für ein Studium. Mit der Zeit gab man diesen Wunsch vielleicht sogar auf. Doch nun fühlt man sich noch mehr oder weniger fit und möchte die Zeit sinnvoll gestalten. Und vielleicht doch noch alte Wünsche wahr werden lassen. Heute ist das sogar auch aufgrund der äußeren Umständen sehr viel leichter möglich als früher.

Das öffentliche Bewusstsein hat sich mittlerweile gewandelt, die Angebote für die älteren Jahrgänge nehmen zu – auch Dank der eigenen Initiativen agiler älterer Menschen. So bilden sich seit mehr als einem Jahrzehnt an vielen Orten Senioren-Initiativen für die Freizeitgestaltung. Man kann sich also von dem Gedanken verabschieden, dass das Alter hauptsächlich von Krankheiten dominiert, von Abhängigkeit anderer bestimmt und als Wartezeit bis zum letzten Abschied verstanden werden muss.

Es finden sogar Messen für älter gewordene Menschen statt, die auch ein vielseitiges Spektrum an Angeboten zur Freizeitgestaltung bereithalten. Aber auch zahlreiche Mitmachaktionen sowie Vorträge gehen auf die Interessensbedürfnisse des Publikums ein, wofür sich ab dem Alter von 50 Jahren aufwärts der Begriff „50plus“ etabliert hat.

Anfang Juli findet in Frankfurt am Main in diesem Jahr vom 2. bis zum 4. Juli zum 11. Mal der Kongress Deutscher Seniorentag der BAGSO statt. Er kommt nur alle 3 Jahre zusammen und wird mit der kostenlosen Messe SenNova verbunden. In der Dachorganisation BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V.) haben sich 111 Verbände mit rund 13 Millionen älteren Menschen zusammengeschlossen, um auch Einfluss auf Politik und Wirtschaft zu nehmen.

Die einschlägige Messe für den bayrischen Raum mit dem Namen „die66“ zog in diesem Jahr in München im April fast 50.000 Besucherinnen und Besucher an, Sie fand ebenfalls zum 11. Mal statt.